Varroa – was ist im Mai zu tun?

Anton Imdorf, Mühlethurnen, Jean-Daniel Charrière, Zentrum für Bienenforschung, ALP. Spätestens im Mai fallen die ersten Massnahmen im Rahmen der alternativen Varroabekämpfung (AVB) an.

Wie gross ist die Varroapopulation im Volk? Konnten Sie die Oxalsäurebehandlung im November / Dezember nicht durchführen? Dafür erst im Januar? Gab es andere Probleme bei der Varroabekämpfung im Herbst, die vermuten lassen, dass der Behandlungserfolg ungenügend war? Hat ein Nachbarimker im Herbst, Winter oder Frühjahr viele Völker verloren?  Wenn ja, ist es ratsam, Ende Mai während zweier Wochen den natürlichen Milbenfall zu messen. Dabei müssen gittergeschützte Unterlagen verwendet werden, die den ganzen Kastenboden abdecken und für Ameisen unzugänglich sind. Liegt der natürliche Milbenfall über 3 Milben pro Tag, so müssen Sie eine Ameisensäure-Langzeitbehandlung oder zwei Ameisensäure-Stossbehandlungen während einer Woche nach Ende der Frühlingshonigernte einplanen. Dabei müssen die Honigaufsätze entfernt werden. Nur so können Sie unter diesen Bedingungen die Völker bis zur nächsten Behandlung im August über die Runden bringen. Bei einer erfolgreichen Behandlung im Vorjahr liegt der natürliche Milbenfall zu diesem Zeitpunkt oft unter einer Varroa pro Tag. Unter diesen Bedingungen ist keine weitere Behandlung vor August notwendig.

Ausschneiden von Drohnenbrut
Das Ausschneiden von Drohnenbrut ist eine wichtige Massnahme, welche die Varroapopulation um ca. 50 % reduziert. Dadurch wird das Risiko von späteren Problemen mit Viren und negativen Auswirkungen bei der Überwinterung vermindert. Pro Volk wird Anfang April eine Drohnenwabe (ca. eine Brutwabe oder zwei CH-Honigwaben) an den Rand des Brutnestes gehängt. Sobald die Brut dieser Waben verdeckelt ist, wird die Brut ausgeschnitten und die Wabe erneut ins Volk gehängt. Dies kann in den meisten Völkern bis Anfang Juni 2- bis 3-mal wiederholt werden. Die Brutausschnitte sollten direkt der Wachsgewinnung zugeführt und wegen der Verschleppungsgefahr von Brutkrankheiten auf keinen Fall im Freien angeboten werden.

Jungvolkbildung
Auch die Bildung eines Ablegers dient der Varroabekämpfung. Durch einen starken Ableger mit 3 Brutwaben und zwei Futterwaben mit ca. 8 000–10 000 Bienen wird dem Muttervolk ca. 1?3 der Milbenpopulation entnommen. Dies hilft mit, den raschen Anstieg der Milbenpopulation zu verhindern. Die Milbenpopulation des brutfreien Ablegers kann mit einer Oxalsäure-Sprühbehandlung um über 90 % vermindert werden. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass bei konsequenter Anwendung des AVB-Konzeptes auf diese Behandlung verzichtet werden kann, wenn die Ableger wie die Wirtschaftsvölker ab August gegen die Varroa behandelt werden. Die Jungvölker sollten auf einem separaten Stand geführt werden. Dadurch kann vermieden werden, dass bei einem Krankheitsausbruch (z. B. Sauerbrut) auf dem Stand der Wirtschaftsvölker die Jungvölker ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Bildung von Kunstschwärmen kann je nach Betriebsweise ebenfalls eine geeignete Art der Jungvolkbildung sein. Da sich aber zu diesem Zeitpunkt gegen 80 % der Varroa in der verdeckelten Brut aufhält, hat diese Methode keinen grossen Einfluss auf die Entwicklung der Milbenpopulation im Muttervolk.